Verfasser: FinTax
Nachrichtenübersicht
Am 15. Januar 2026 berichteten mehrere Medien, dass die Nachverfolgungsfrist für Steuernachzahlungen auf ausländische Einkünfte von inländischen Steueransässigen in China im Vergleich zu früher verlängert wurde, und zwar bis frühestens 2020 oder sogar 2017. Seit 2025 haben zahlreiche Steuerpflichtige Hinweise und Mitteilungen von den Steuerbehörden erhalten, in denen sie aufgefordert werden, ihre in- und ausländischen Einkünfte selbst zu prüfen und rechtzeitig Steuererklärungen abzugeben. Der Rückwirkungszeitraum für Nachzahlungen umfasst hauptsächlich die letzten 3 Jahre, vor allem 2022 und 2023.
Am 16. Januar äußerte sich eine zuständige Abteilung der chinesischen Steuerbehörde, dass die Steuerbehörden die Öffentlichkeitsarbeit und Beratung zur Steuerpflicht auf ausländische Einkünfte weiterhin verstärken werden. Seit dem letzten Jahr erinnern sie Steuerpflichtige daran, ihre Einkünfte aus dem Ausland für die Jahre 2022 bis 2024 selbst zu prüfen.
FinTax Kurzeinschätzung
1.1 Ereignisinhalte und Hintergrund
Kürzlich sorgte ein Bericht einer bekannten Mediengruppe über „Rückwirkende Nachzahlung von Steuern auf ausländische Einkünfte“ auf verschiedenen Finanzplattformen für Aufsehen und rege Diskussionen. Der Bericht stellte fest, dass die Nachverfolgungsfrist für Steuern auf ausländische Einkünfte in China für Steueransässige verlängert wurde, und zwar bis 2020 oder sogar 2017. Am Tag nach Veröffentlichung des Berichts gaben die zuständigen Abteilungen der nationalen Steuerbehörde bekannt, dass seit dem letzten Jahr Steuerpflichtige daran erinnert werden, ihre Einkünfte aus dem Ausland für die Jahre 2022 bis 2024 selbst zu prüfen. Das bedeutet, dass viele chinesische Steuerpflichtige, die US-Aktien handeln, in ausländische Fonds investieren oder Offshore-Trusts eingerichtet haben und Konten im Ausland besitzen, möglicherweise mit einer steuerlichen Nachprüfung konfrontiert werden, bei der nicht vollständig deklarierte Einkünfte nachträglich besteuert werden, inklusive Straf- und Verzugszinsen.
Dieses Rückwirkungsereignis findet vor dem Hintergrund statt, dass China das CRS-System (Common Reporting Standard) eingeführt hat und die Steuerbehörden eine Reihe von Maßnahmen zur Steuerverwaltung auf ausländische Einkünfte durchführen (siehe Tabelle). Aus der objektiven Perspektive der Steuerüberwachung ist die Voraussetzung für eine präzise Kontrolle die Kenntnis der steuerrelevanten Informationen. China begann 2018 erstmals mit dem Austausch von CRS-Informationen, der die Kontoinformationen aus dem Jahr 2017 umfasst. Dadurch konnten die Steuerbehörden Daten über Kontostände, Transaktionen und Kontoinhaber bei Banken, Wertpapierfirmen, Trusts und anderen Institutionen im Ausland im Rahmen des CRS-Austauschsystems erlangen. Dies macht eine rückwirkende Steuerprüfung auf Einkünfte aus dem Jahr 2017 möglich.
Tabelle 1: Wichtige Ereignisse in der Steuerüberwachung ausländischer Einkünfte
1.2 Beobachtung der Regulierungstrends
Rückblickend auf die Maßnahmen der Steuerbehörden in den letzten 25 Jahren zeigt sich, dass das Thema der nicht ordnungsgemäßen Deklaration ausländischer Einkünfte zunehmend im Fokus der Überwachung steht. Aus der Analyse dieses Ereignisses und der entsprechenden Maßnahmen lassen sich folgende Trends ableiten:
Verlängerung des Rückwirkungszeitraums: Die Nachverfolgungsfrist für Steuern auf ausländische Einkünfte wurde weiter ausgeweitet und umfasst nun mehrere Jahre, beginnend ab 2017. Nicht vollständig deklarierte Einkünfte aus der Vergangenheit können in die Überprüfung einbezogen werden.
Massenhafte Identifikation, verbesserte Methoden: Durch den Einsatz von CRS-Informationsaustausch und Big Data-Analysen verfügen die Steuerbehörden nun über die Fähigkeit, ausländische Einkünfte in großen Mengen zu erkennen und präzise zu lokalisieren. Mit der „Fünf-Schritte-Arbeitsmethode“ wird das Überwachungsmodell vom „abhängigen von freiwilliger Deklaration“ zu „substanzieller Überprüfung und Verantwortlichkeit“ weiterentwickelt.
Ausweitung des Durchsetzungsbereichs, Erhöhung der Intensität: Mehrere Steuerpflichtige erhalten SMS- oder Telefonhinweise von den Steuerbehörden. Die Überwachung richtet sich nicht mehr nur an Hochrisikogruppen, sondern umfasst eine breite Palette von Einkommensniveaus und verschiedenen Arten von ausländischen Einkünften.
Solange die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind, kann die Steuerbehörde sowohl für die letzten drei Jahre als auch für 2017 oder frühere Jahre Durchsetzungsmaßnahmen ergreifen. Die drei Faktoren Recht, Information und Technik schaffen die realen Bedingungen für rückwirkende Steuererhebungen, im Einzelnen:
Erstens, ausreichende rechtliche Grundlage und klare Fristen: China verfolgt das Prinzip der globalen Besteuerung für Steueransässige. Personen, die in China wohnen oder die 183-Tage-Regel erfüllen, gelten als „chinesische Steueransässige“ und müssen ihre in- und ausländischen Einkünfte deklarieren und Einkommensteuer zahlen. Dies basiert auf dem „Gesetz über die persönliche Einkommensteuer“ und anderen bestehenden Gesetzen und Vorschriften, es ist keine neue Verpflichtung. Zu den steuerpflichtigen ausländischen Einkünften gehören Einkünfte aus dem Ausland wie Gehälter, Honorare, Tantiemen, Lizenzgebühren, Betriebseinkünfte und andere Einkünfte (z.B. Zinsen, Dividenden, Veräußerungsgewinne, Mieteinnahmen, Zufallsgewinne). Die Klassifizierung entspricht im Wesentlichen den inländischen Einkünften.
Außerdem legt das Gesetz die rechtlichen Verantwortlichkeiten bei Steuerverstößen sowie die Rückforderungsfristen für Steuern, Verzugszinsen und Strafen fest. Die Verantwortlichkeiten umfassen die Rückforderung von Steuern, Verzugszinsen, Verwaltungs- und Strafmaßnahmen. Die Frist für Rückforderungen ist im § 52 des „Gesetzes über die Steuererhebung“ geregelt: Wenn Steuerpflichtige oder Steuerabzugsverpflichtete Steuern nicht zahlen oder zu wenig zahlen, kann die Steuerbehörde innerhalb von 3 Jahren die Steuern und Zinsen nachfordern; in besonderen Fällen kann die Frist auf 5 Jahre verlängert werden; bei Steuerhinterziehung, Steuerverweigerung oder Betrug ist die Rückforderung unbegrenzt.
Zweitens, CRS-System in Kraft: Überwindung grenzüberschreitender Informationsbarrieren. China hat 2017 die nationale Gesetzgebung für CRS abgeschlossen und 2018 im September den automatischen Austausch von Steuerinformationen für Finanzkonten mit anderen CRS-Teilnehmerländern begonnen, darunter Großbritannien, Frankreich, Deutschland, die Schweiz, Singapur sowie Offshore-Gebiete wie die Kaimaninseln, die Britischen Jungferninseln (BVI) und Bermuda. Die gesammelten Daten umfassen Kontostände, Investitionserträge und andere Kerninformationen. Die Ansammlung und Integration dieser Daten hat die asymmetrische Informationslage bei grenzüberschreitender Besteuerung verändert und bildet die Grundlage für Steuerbehörden, um Risiken bei ausländischen Einkünften aus früheren Jahren zu bewerten und substanzielle Prüfungen durchzuführen.
Schließlich, „Datenbasiertes Steuern“ zur Effizienzsteigerung: Mit der Weiterentwicklung des „Goldsteuer-Systems IV“ und der umfassenden Nutzung von Big Data im Steuerbereich werden Daten zu grenzüberschreitenden Kapitalflüssen intelligent integriert und analysiert. Durch Big Data-Modelle können Steuerbehörden Risiken präzise erkennen und große Mengen an ausländischen Einkünften gleichzeitig prüfen. Zusammen mit der „Fünf-Schritte-Arbeitsmethode“ – „Hinweise geben, Überprüfung anregen, Gespräche führen, Akten einreichen, öffentlich machen“ – wird die Steuerdurchsetzung zunehmend proaktiv und substanzorientiert. Die kontinuierliche technologische Verbesserung unterstützt die rückwirkende Steuerprüfung.
Steuerpflichtige mit ausländischen Einkünften und damit verbundenen Risiken sollten folgende Maßnahmen zur Steuerkonformität prüfen:
Erstens, Einkommens- und Vermögensprüfung durchführen, Steuerfolgen bewerten: Systematisch die Konten im Ausland seit 2017 (insbesondere 2022–2024) prüfen, inklusive Bankkonten, Wertpapierkonten, Versicherungen, Trusts und Fondsanteile. Dabei die entsprechenden Einkünfte wie Dividenden, Honorare, Veräußerungsgewinne erfassen. Die Daten mit den Steuererklärungen der Vorjahre vergleichen, um nicht deklarierte oder zu niedrig deklarierte Einkünfte zu identifizieren. Basierend auf den Ergebnissen die Steuerlast, Strafen oder Verzugszinsen abschätzen und entsprechende Maßnahmen ergreifen.
Zweitens, proaktiv Korrekturen vornehmen, um Compliance-Kosten zu senken: Nicht deklarierte Einkünfte im Ausland verursachen neben Steuern auch Verzugszinsen und Bußgelder. Es ist wichtig, den Zeitpunkt der Selbstprüfung zu nutzen, um die Steuererklärung nachzuholen, Steuern und Zinsen nachzuzahlen und so die Kosten für Verzugszinsen und Strafen zu minimieren. Wenn bereits Hinweise von den Steuerbehörden per SMS oder Telefon vorliegen, befindet man sich wahrscheinlich in der „Hinweisphase“ der „Fünf-Schritte-Arbeitsmethode“. Eine aktive Zusammenarbeit bei der Korrektur kann Spielraum für Nachsicht schaffen.
Drittens, professionelle Beratung suchen: Steuerfragen bei ausländischen Einkünften sind komplex und betreffen nationale sowie internationale Gesetze, Steuerabkommen und Einkunftsarten. Es ist ratsam, frühzeitig einen Fachberater hinzuzuziehen, um die Reaktionsfähigkeit zu verbessern und rechtliche Risiken zu minimieren.
Das FinTax-Team bietet in verschiedenen Phasen maßgeschneiderte Steuerplanungs- und Beratungsdienste:
Phase 1: Noch keine Prüfungsmitteilung der Steuerbehörde erhalten. Unterstützung bei der Analyse der inländischen und ausländischen Einkünfte gemäß aktueller Steuerpolitik und Risikomanagement im Ausland.
Phase 2: Prüfungsmitteilung erhalten. Unterstützung bei der Datenaufbereitung, Erklärungsvorbereitung, Kommunikation mit den Steuerprüfern und bei der Steuererklärung für ausländische Einkünfte. Zudem Beratung zu Optimierungen bei grenzüberschreitenden Steuerfragen.
Seit China am CRS-Informationsaustausch teilnimmt, haben die Steuerbehörden ihre Fähigkeiten zur Überwachung ausländischer Finanzkonten und Investitionserträge deutlich verbessert. Die Risiken im Zusammenhang mit ausländischen Einkünften steigen. In einer Ära hoher Transparenz bei Steuerinformationen ist es für Steuerpflichtige kaum noch möglich, auf „Regulierungsblindstellen“ zu hoffen. Nur durch ein umfassendes Bewusstsein für Compliance, frühzeitige Einschätzung der eigenen Auslandseinkünfte und deren steuerliche Auswirkungen in China können sie den Herausforderungen durch regulatorische Verschärfungen begegnen und Vermögen sicher und stabil verwalten.