Joe Rogan interviewt Jensen Huang: 33 Jahre durch Angst überlebt – das ist Nvidias wahres Überlebensprinzip

ChainNewsAbmedia

Nvidia-CEO Jensen Huang gab im Interview mit „The Joe Rogan Experience“ offen zu, dass er jeden Tag mit dem Gefühl aufwacht, sein Unternehmen stehe nur noch 30 Tage vor der Pleite. Er betont, dass das kein Scherz sei, sondern eine von der Realität geformte Einstellung: Von dem Beinahe-Kollaps nach einer technologischen Fehlentscheidung 1995, über das Wagnis, die Hälfte des Firmenkapitals auf einen erfolgreichen Tape-Out zu setzen, bis hin zu CUDA, das ohne Anerkennung blieb und den Börsenwert von 12 Mrd. auf 2 Mrd. US-Dollar einbrechen ließ, sowie der DGX1, für die trotz Milliardeninvestitionen keine einzige Bestellung einging. Jedes Mal war die Firma nur einen Schritt von der Pleite entfernt, was bei ihm einen „von Angst getriebenen“ Arbeitsrhythmus geprägt hat. Selbst als Nvidia heute die Billionen-Dollar-Marke überschritten hat, verfolgt ihn diese Einstellung weiter.

Extremer Druck in der Anfangszeit: Angst, dass sich die Welt dreht

Huang beschreibt die Anfangszeit von Nvidia als eine Phase ständiger Unsicherheit: Ist der technologische Kurs richtig? Kann das Produkt gebaut werden? Reicht das Geld? Jeder Aspekt fühlte sich wie ein schwerer Stein auf den Schultern an.

Er schildert das Gefühl, als würde man regungslos liegen und die Welt drehe sich rasend schnell um einen herum – aber man hat keinerlei Kontrolle. Tiefe Angst und starke Unsicherheit überkamen ihn immer wieder. Diese Gefühle begleiteten ihn durch weitere Beinahe-Krisen und wurden zu seinem täglichen Grundzustand.

Das große Scheitern 1995: Drei Architekturentscheidungen falsch, Nvidia fast pleite

1995 war laut Huang das erste Jahr, in dem er wirklich das Gefühl hatte, „in 30 Tagen pleite zu gehen“. Nvidia folgte jahrelang einer komplett falschen Technologie-Strategie – alle drei Kernarchitekturen wurden falsch gewählt. Der Technologieführer wurde zum Schlusslicht, das Geld war fast aufgebraucht, die Produkte nicht lieferbar. Der Vertrag mit Sega war die letzte Rettung – eine Kündigung hätte das sofortige Aus bedeutet.

Huang flog daraufhin nach Japan, gestand das Scheitern ein, empfahl Sega sogar, einen anderen Partner zu wählen, und bat lediglich darum, die restlichen 5 Millionen US-Dollar aus dem Vertrag als „Investition“ umzuwandeln. Er wies darauf hin, dass das Geld wahrscheinlich verloren gehen würde, doch Segas Präsident stimmte zu. Diese 5 Millionen wurden zum rettenden Strohhalm und ermöglichten Nvidia einen Neustart.

Die halbe Firma auf eine Tape-out-Wette gesetzt: Riva 128 als Schicksalsmoment

Nach der Sega-Investition blieben Nvidia weder Zeit noch Mittel für herkömmliche Test- und Produktionsprozesse. Huang erfuhr, dass eine andere Firma kurz vor der Pleite stand und noch den letzten Chip-Simulator im Haus hatte. Diese Maschine konnte einen Chip vollständig simulieren und Bugs aufdecken, bevor der Entwurf einmalig an TSMC zur Massenproduktion übergeben wurde – ein Alles-oder-Nichts-Tape-out. Nvidia hatte da nur noch rund 1 Million US-Dollar in der Kasse, Huang setzte die Hälfte davon für diese Maschine ein. Nach dem Kauf schloss die andere Firma sofort.

Dank des Simulators konnte Nvidia den neuen Chip Riva 128 vollständig validieren und ging das Risiko ein, TSMC mit der Bitte um „keine Testproduktion, direkt Massenproduktion“ zu konfrontieren. TSMC gab zu, das habe noch nie jemand getan, willigte aber ein. Riva 128 wurde ein Markterfolg, holte Nvidia zurück von der Kante und machte das Prinzip „erst simulieren, dann einmaliger Tape-out“ zum Industriestandard.

Anmerkung: Tape-out bezeichnet den finalen Abschluss des Chipdesigns und die Übergabe an die Waferfabrik zur Produktion. Nach der Einreichung sind keine Änderungen mehr möglich; ein Fehler bedeutet Neubeginn und neue Kosten.

CUDA bringt Nvidia auf 2 Mrd. US-Dollar Börsenwert – eine weitere Beinahe-Pleite

2005/2006 brachte Nvidia CUDA auf den Markt und setzte alles auf GPU-Computing. Huang sprach auf der GTC-Konferenz über Deep Learning, Zukunft und GPU-Computing – doch niemand hörte zu oder verstand das Thema.

CUDA verdoppelte zudem die Kosten, wurde vom Markt abgelehnt, der Börsenwert fiel von 12 Mrd. auf nur noch 2–3 Mrd. US-Dollar. Huang scherzt bitter:

„Ich habe den Aktienkurs ruiniert.“

Auch diese Phase war geprägt vom täglichen Gefühl, „in 30 Tagen pleite zu sein“.

Anmerkung: Früher konnten GPUs nur Grafik, 3D und Spiele berechnen. CUDA machte sie für wissenschaftliches Rechnen, KI-Training, Datenanalyse und Simulation nutzbar.

DGX1 ohne Bestellung – Musk und OpenAI als Rettung

2016 entwickelte Nvidia den ersten Supercomputer für Deep Learning, den DGX1 – Investitionen in Milliardenhöhe. Huang präsentierte ihn auf der GTC-Bühne voller Enthusiasmus, aber das Echo war wie bei CUDA: niemand interessiert, keine Bestellungen.

Der einzige, der Bedarf anmeldete, war Elon Musk. „Ich habe ein Unternehmen, das das dringend braucht.“ Das Unternehmen war das damals gemeinnützige und kleine OpenAI.

Mangels Lagerbestand baute Huang das firmeninterne DGX1-Gerät aus und fuhr es höchstpersönlich ins kleine OpenAI-Büro in San Francisco. Diese Maschine wurde später ein Grundpfeiler für Deep Learning und Huang erlebte erneut eine Zeit, in der er sich täglich fragte, ob die Firma überleben würde.

Trotz 5 Billionen US-Dollar Börsenwert: Ständige Wachsamkeit, jeden Morgen die Mahnung, nichts zu vermasseln

Obwohl Nvidia als erstes Unternehmen der Welt einen Börsenwert von 5 Billionen US-Dollar erreicht hat, überrascht Huang mit der Aussage, dass sein erster Gedanke jeden Tag ist:

„Wir dürfen es nicht vermasseln.“

Seit 33 Jahren wacht er täglich mit dem Gefühl auf, „die Firma könnte in 30 Tagen pleite sein“, alles sei unsicher, der nächste Fehler jederzeit möglich – deshalb müsse er ständig nach vorne drängen und sich immer wieder anpassen.

Mit Angst als Antrieb, Scheitern nicht zulassen

Huang beschreibt sich nicht als jemand, der Erfolg jagt, sondern als jemanden, den die Angst vor dem Scheitern antreibt. Sein Ziel ist, dass das Unternehmen überlebt, besser wird und die Welt wirklich beeinflusst. Er scherzt, dass ein Psychotherapeut ihm wohl bescheinigen würde, dass „Angst als Antrieb“ ungesund sei – für ihn funktioniert es jedoch besser als Erfolgssucht.

Als Führungskraft hält er es für entscheidend, „sich widerlegen zu lassen“. Wer als Chef immer recht haben will, verhindert Widerspruch und verpasst nötige Kurswechsel bei plötzlichen Veränderungen. Huang fragt sich täglich:

„War meine Entscheidung von gestern heute noch richtig? Hat sich das Umfeld verändert? Ist es schlimmer als gedacht?“

Dieses ständige Hinterfragen steigere zwar die Angst, aber in der schnelllebigen Tech-Branche sei das der einzige Weg zu überleben.

Technologie als endlose Welle – man muss immer wieder aufspringen

Um den Druck der letzten 30 Jahre zu beschreiben, zieht Huang einen Surf-Vergleich:

„Keiner weiß, wann die nächste Technologiewelle kommt. Du kannst sie nicht vorhersagen. Du musst einfach bereitstehen, aufspringen und die Balance halten.“

Er sieht sich nicht als Beherrscher der Wellen, sondern als jemanden, der immer wieder neu aufspringt, lernt und nie stehenbleiben darf. Auf die Frage von Joe Rogan, warum er einer der dienstältesten Tech-CEOs sei, antwortet er nur:

„Erstens: Lass dich nicht feuern. Zweitens: Habe nie Langeweile.“

Huang sagt, Leidenschaft, Angst und Rückschläge wechseln sich ab, aber entscheidend sei:

„Egal welches Gefühl – als Führungskraft musst du immer weitermachen.“

Das Beispiel Trump: Führung bedeutet Verantwortung, Erfolg betrifft alle

Huang betont, dass – unabhängig davon, wie Amerikaner zu Trump stehen –

„es ist dein Präsident. Jeder im Land sollte hoffen, dass er Erfolg hat, denn wenn der Anführer erfolgreich ist, ist Erfolg für alle einfacher.“

Diese Logik überträgt er auf Nvidia: Alle 40.000 Mitarbeiter wünschen sich, dass der CEO erfolgreich ist, weil davon ihre Arbeit und ihre Projekte abhängen. Deshalb müsse eine Führungskraft offen bleiben, sich hinterfragen lassen, um den Kurs immer anpassen zu können – und nicht an alten Entscheidungen festhalten.

Dieser Artikel „Joe Rogan Interview mit Jensen Huang: 33 Jahre durch Angst überlebt – das ist Nvidias wahres Überlebensprinzip“ erschien zuerst bei Chain News ABMedia.

Original anzeigen
Disclaimer: The information on this page may come from third parties and does not represent the views or opinions of Gate. The content displayed on this page is for reference only and does not constitute any financial, investment, or legal advice. Gate does not guarantee the accuracy or completeness of the information and shall not be liable for any losses arising from the use of this information. Virtual asset investments carry high risks and are subject to significant price volatility. You may lose all of your invested principal. Please fully understand the relevant risks and make prudent decisions based on your own financial situation and risk tolerance. For details, please refer to Disclaimer.
Kommentieren
0/400
Keine Kommentare