
Seit Ende Februar, als die US-alliierten Streitkräfte mit den Bombardierungen Irans begannen, ist der Bitcoin-Preis um etwa 6 % gestiegen und hat in diesem Zeitraum Gold und Aktienmärkte deutlich übertroffen. James Butterfill, Forschungsleiter des Digital-Asset-Management-Unternehmens CoinShares, weist darauf hin, dass institutionelle Investoren seit drei Wochen positive Nettozuflüsse in digitale Asset-Produkte verzeichnen, wobei die Investitionen in dieser Woche bereits 500 Millionen US-Dollar erreicht haben.
Der zentrale Grund für den heutigen Anstieg von Bitcoin liegt in einer subtilen Umgestaltung der globalen Kapitalflüsse. Butterfill hebt in seinem Bericht zwei sich gegenseitig verstärkende Triebkräfte hervor:
Erstens: Die Lockerung bei traditionellen sicheren Anlagen: Die Renditen amerikanischer Staatsanleihen steigen, was in der Marktperspektive bedeutet, dass Investoren Anleihen verkaufen statt kaufen. Langfristig waren Staatsanleihen während geopolitischer Krisen die bevorzugte Absicherung – bei steigender Nachfrage steigen die Preise, die Renditen sinken. Das umgekehrte Verhalten bei den Renditen spiegelt direkt den Zusammenbruch dieses traditionellen „Anleihen-Kaufs in Krisenzeiten“-Verhaltens wider.
Zweitens: Die leuchtende Unabhängigkeit von Bitcoin: Butterfill erklärt: „Bitcoin zeigt in Zeiten geopolitischer Turbulenzen oft gute Leistungen, was teilweise auf seine Eigenschaften als nicht-souveränes, zensurresistentes Asset zurückzuführen ist.“ Wenn der US-Dollar, die US-Aktien und US-Staatsanleihen gleichzeitig unter Druck geraten, wird Bitcoin – „ohne Zugehörigkeit zu einem souveränen Staat“ – zu einer der wenigen Anlagen, die ihre Unabhängigkeit in diesem Umfeld bewahren können.
Darüber hinaus spielen technische Indikatoren eine „beschleunigende“ Rolle – vor dem Ausbruch der Krise lag der Bitcoin-Preis nahe am Tiefpunkt des aktuellen Zyklus, was eine technische Unterstützung für eine fundamentgetriebene Erholung bietet.
Daten von CoinShares offenbaren die institutionelle Logik hinter dem heutigen Bitcoin-Anstieg. Digitale Asset-Investmentprodukte verzeichnen seit drei Wochen positive Nettozuflüsse, wobei die Kapitalzuflüsse in dieser Woche bereits 500 Millionen US-Dollar erreichen. Butterfill macht deutlich: „Das sendet ein klares Signal: Institutionelle Investoren sehen Bitcoin als ein Asset, das in turbulenten geopolitischen Zeiten gehalten werden sollte, anstatt es zu verkaufen.“
Diese Zuversicht der Institutionen ist jedoch nicht gleichmäßig auf alle Krypto-Assets verteilt. CoinShares weist gleichzeitig darauf hin, dass bei anhaltendem Druck auf Haushaltsbudgets Kategorien wie Spekulationen und Meme-Coins deutlich an Widerstand erfahren könnten. Im Gegensatz dazu bleiben die politischen und regulatorischen Beweggründe für die Verbreitung von Stablecoins – insbesondere auf dem US-Markt – stabil und relativ unbeeindruckt von Ölpreisschocks.
(Quelle: Trading View)
Aus technischer Sicht bewegt sich Bitcoin seit Anfang Februar in einer sich verengenden aufsteigenden Keilformation, wobei der aktuelle Kurs den ersten Widerstandsbereich bei 72.000 USD angreift. Die wichtigsten technischen Marken sind:
Erster Widerstand: 72.000 USD – bei einem effektiven Schlusskurs darüber sind die nächsten Zielmarken bei 80.000 USD, 84.000 USD und schließlich 90.000 USD
Unterstützung 1: 64.000 USD – zweimal getestet und gehalten innerhalb des Keils, eine entscheidende Nachfragezone
Unterstützung 2: 60.000 USD – die letzte Hauptverteidigungslinie vor einem vollständigen Zusammenbruch der Struktur
Aufstiegskeilformationen deuten meist auf einen Abwärtstrend hin, und die Charts zeigen, dass vor einer echten Erholung der Kurs möglicherweise auf 64.000 USD zurückfallen könnte. Solange 72.000 USD nicht nachhaltig als Unterstützung etabliert ist, bleibt dieses Abwärtspotenzial bestehen.
Dieses Performance-Delta ergibt sich aus mehreren Faktoren: Bitcoin befindet sich technisch gesehen nahe am Zyklus-Tief, was eine Erholungschance bietet; seine Eigenschaften als nicht-souveränes Asset verleihen ihm bei allgemeinem Druck auf den US-Dollar zusätzliche Prämien; und die anhaltenden institutionellen Käufe, die die Preisbildung maßgeblich beeinflussen, verleihen diesem Anstieg eine gewisse Nachhaltigkeit. Im Vergleich dazu ist das Gold-Plus begrenzt durch den starken Dollar und steigende US-Staatsanleihen-Renditen, die auf makroökonomischer Ebene Druck auf Gold ausüben.
Steigende Renditen üben in der Regel Druck auf renditelose Anlagen wie Gold und Bitcoin aus. In diesem Fall ist die Situation jedoch komplexer: Der Anstieg der Renditen ist vor allem auf aktive Verkäufe von Staatsanleihen durch Investoren zurückzuführen, was das Vertrauen in die traditionelle „sichere Hafen“-Funktion des US-Dollars erschüttert. In diesem Umfeld wandert ein Teil des Kapitals in Bitcoin als alternative „nicht-souveräne Wertaufbewahrung“ – das ist die tiefere Logik hinter dem gegen den Trend verlaufenden Anstieg von Bitcoin.
Drei aufeinanderfolgende Wochen positiver Zuflüsse sind ein positives Signal, reichen aber nicht aus, um eine Trendwende zu bestätigen. CoinShares zeigt, dass sich das Verhalten der Institutionen verändert, doch der technische Widerstand bei 72.000 USD ist noch nicht nachhaltig überwunden. Das Keilmuster deutet zudem kurzfristig auf eine Rückkehr auf 64.000 USD hin. Eine Trendbestätigung erfordert, dass der Kurs die 72.000 USD nachhaltig überschreitet und die Zuflüsse weiterhin positiv bleiben.