
Die US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC) und die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) haben am Mittwoch offiziell ein Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet, um eine engere Koordination bei der Regulierung der Finanzmärkte zu etablieren. Beide Organisationen betonten ausdrücklich, dass mit dem Aufstieg von Kryptowährungen, On-Chain-Automatisierung und digitalen Infrastrukturen die Grenzen der traditionellen Zuständigkeiten zunehmend verschwimmen. Jetzt sei der „kritische Moment“, um koordinierte Maßnahmen zu ergreifen.

(Quelle: Mike Selig X)
Die regulatorischen Grenzen zwischen SEC und CFTC sind seit langem umstritten. Das zentrale Problem besteht darin, ob eine bestimmte Vermögenswerteinheit eine Wertpapier- oder eine Ware ist – eine scheinbar einfache, in der Praxis jedoch schwer zu klärende Frage. Das Aufkommen von Kryptowährungen macht dieses Problem noch komplexer – ein und dasselbe Token kann in unterschiedlichen Kontexten als verschiedene Vermögensarten eingestuft werden, was zu uneinheitlichen oder sogar widersprüchlichen Compliance-Anforderungen führt.
Das Kernversprechen des Memorandums umfasst zwei Ebenen. Erstens, dass beide Organisationen sich verpflichten, eine regulatorische Klarheit auf Basis des „technologieneutralen Prinzips“ zu schaffen, um sicherzustellen, dass die Regulierung bestimmter Technologien nicht aufgrund ihrer technischen Form variiert; zweitens, dass sie bei Fragen des „gemeinsamen Regulierungsinteresses“ Informationen und Daten austauschen, um ihre jeweiligen Aufsichtspflichten besser wahrnehmen zu können, anstatt eigenständig oder gegeneinander vorzugehen.
Das auffälligste Element des Memorandums ist die klare Ankündigung, die „Minimale Effektive Dosis“ (Minimum Effective Dose) als Regulierungsstrategie zu verwenden. Dieser Begriff stammt aus der Pharmakologie – er bezeichnet die niedrigste Dosis eines Medikaments, die die gewünschte therapeutische Wirkung erzielt. Im regulatorischen Kontext bedeutet dies, dass beide Organisationen sich verpflichten, bei der Erreichung ihrer regulatorischen Ziele nur minimal in den Markt einzugreifen.
Hinter diesem philosophischen Wandel steht ein nüchternes Bewusstsein für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der US-Finanzinnovationen. Beide Organisationen betonen, dass sie Innovation fördern und gleichzeitig die Marktintegrität wahren wollen, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können. Betroffene Marktteilnehmer sind unter anderem:
Handelsplattformen und Clearingstellen: Bestehende grenzüberschreitende Geschäfte werden klarer reguliert
Datenbanken: Die regulatorische Zuordnung von On-Chain-Daten wird deutlicher geregelt
Kollektive Investmentinstrumente: Fonds und ETF-ähnliche Krypto-Produkte unterliegen einheitlicheren Regulierungsstandards
Händler und Vermittler: Akteure, die sowohl im Wertpapier- als auch im Derivatebereich tätig sind, müssen keine widersprüchlichen Compliance-Anforderungen mehr erfüllen
Das Memorandum wurde unterzeichnet, während beide Organisationen bereits eine Reihe pro-Krypto-Politiken umgesetzt haben: Sowohl die SEC als auch die CFTC haben spezielle Arbeitsgruppen und Beratungsgremien für Kryptowährungen eingerichtet, um die Weiterentwicklung neuer Technologien wie Krypto und Künstliche Intelligenz in den USA zu fördern. Dies entspricht auch dem Ziel der Trump-Regierung, die USA als „Welt-Hauptstadt der Kryptowährungen“ zu positionieren.
Das Memorandum hebt hervor, dass beide Organisationen bestrebt sind, „geeignete Regulierungsrahmen“ für Krypto-Assets bereitzustellen. Dies deutet darauf hin, dass in Zukunft bei der Zuordnung von Kryptowährungen zu regulatorischen Kategorien klarere Richtlinien zu erwarten sind, sodass Unternehmen keine Entscheidungen mehr in einer unsicheren Grauzone treffen müssen. Dies steht im Einklang mit der laufenden Gesetzesinitiative im Senat, dem „CLARITY-Gesetz“.
Langfristig hat die SEC die Aufsicht über „Wertpapiere“, während die CFTC die über „Waren“ (einschließlich Waren-Futures und Derivate) innehat. Da Krypto-Assets nicht vollständig in eine dieser Kategorien passen, beanspruchen beide Organisationen die Zuständigkeit für bestimmte Tokens oder Krypto-bezogene Geschäfte. Das führt zu doppelten Registrierungspflichten, widersprüchlichen Compliance-Anforderungen und Unsicherheiten bezüglich der rechtlichen Stellung, was Innovationen und die globale Wettbewerbsfähigkeit der US-Institutionen erheblich behindert.
In der Praxis bedeutet dies, dass SEC und CFTC bei der Regelsetzung vor allem „Notwendigkeit“ statt „Machbarkeit“ priorisieren. Sie vermeiden es, über das für die Erreichung ihrer regulatorischen Ziele erforderliche Maß hinausgehende Beschränkungen aufzuerlegen. Für Krypto-Unternehmen bedeutet dies potenziell weniger redundante Compliance-Anforderungen, schnellere Genehmigungsprozesse und klarere Geschäftsgrenzen, sodass sie innerhalb des US-Rechtsrahmens sicher operieren können.
Nein, das Memorandum und das „CLARITY-Gesetz“ erfüllen unterschiedliche Rollen. Das Memorandum ist eine administrative Kooperationsvereinbarung zwischen den beiden Aufsichtsbehörden, die regelt, wie sie zusammenarbeiten, hat aber keine Gesetzeskraft. Das „CLARITY-Gesetz“ würde, wenn es verabschiedet wird, die Regulierung von Krypto-Assets gesetzlich klar definieren und somit rechtliche Sicherheit schaffen. Das Memorandum kann als Übergangsregelung gesehen werden, um die Zusammenarbeit während der Gesetzeslücke zu erleichtern.