
Die Funding-Rate für Ethereum-Perpetual Contracts sank am Dienstag in den negativen Bereich, was auf eine deutliche Zunahme der Short-Nachfrage hinweist. Dieser Indikator lag im vergangenen Monat durchgehend unterhalb des neutralen Normalbereichs von 6 % bis 12 %. Obwohl Ethereum von Montag auf Dienstag um 7 % zulegte, zeigt die Gesamtstruktur des Derivatemarktes, dass das Interesse der Bullen an gehebelten Positionen weiterhin schwach ist.

(Quelle: Laevitas.ch)
Die Ethereum-Funding-Rate ist ein zentraler Indikator zur Messung des Gleichgewichts zwischen Long- und Short-Kräften im Perpetual Contract-Markt. Eine positive Funding-Rate bedeutet, dass Long-Positionen bereit sind, Gebühren an Short-Positionen zu zahlen, um ihre bullischen Positionen zu halten; eine negative Rate zeigt das Gegenteil – Short-Positionen zahlen Longs, was auf eine insgesamt bärische Marktstimmung hindeutet.
Im letzten Monat lag die Ethereum-Funding-Rate stets unterhalb des neutralen Bereichs von 6 % bis 12 %, was auf eine langfristig eher pessimistische Markteinschätzung hindeutet. Das negative Ergebnis am Dienstag verstärkt dieses Signal, was auf eine zunehmende kurzfristige Verkaufsaktivität hinweist.
Gleichzeitig bietet der Ethereum-Optionsmarkt eine relativ moderate Perspektive. Die Delta-Exponierung liegt weiterhin im neutralen Bereich von -6 % bis +6 %, aber die Prämie für verkaufte Optionen (Put-Optionen) im Vergleich zu gekauften Optionen (Call-Optionen) liegt derzeit bei etwa 7 %, was zeigt, dass das Vertrauen der Bullen langsam wieder steigt, aber noch nicht auf entscheidendem Niveau ist.

(Quelle: Trading View)
Der Kapitalfluss in Ethereum-ETFs ist ein direkter Indikator für die institutionelle Nachfrage. Letzte Woche Mittwoch flossen 169 Mio. USD in Ethereum-ETFs, doch danach, von Donnerstag bis Montag, kam es zu einem Nettoabfluss von insgesamt 225 Mio. USD, was auf eine instabile und nicht nachhaltige Investitionsbereitschaft hinweist.
Ein weiterer struktureller Grund für die schwache Nachfrage der Institutionen ist die Wettbewerbsnachteile bei den Staking-Erträgen von Ethereum:
Native Staking-Jahresrendite: ca. 2,8 %
Sky Lending (ehemals MakerDAO) Stablecoin-Ertrag: 3,75 %
Wettbewerbsdruck: Das Halten von Ethereum und das Erzielen von Erträgen durch native Staking-Mechanismen ist im Vergleich zu einigen Stablecoin-Sparprodukten weniger attraktiv, was die langfristige Motivation von Institutionen, Ethereum zu halten, schwächt.
Die US-Regierung hat die Zulassung von ETF-Staking bis Ende 2025 genehmigt, was kurzfristig für Aufregung sorgte, aber bislang nicht zu nachhaltigen Kapitalzuflüssen geführt. Ein Grund dafür ist, dass der Zeitpunkt mit einem allgemeinen Rückgang des Kryptomarktes zusammenfiel.
Die Netzwerkaktivitätsdaten auf der Ethereum-Base Layer konnten das Marktvertrauen ebenfalls nicht stärken. In den letzten Monat lag das durchschnittliche wöchentliche Einnahmen aus Transaktionsgebühren bei etwa 2,3 Mio. USD, deutlich unter dem Höchststand von 8 Mio. USD Anfang Februar dieses Jahres, obwohl das 7-Tage-Transaktionsvolumen stabil bei etwa 14 Mio. Transaktionen blieb. Die Verbreitung von Layer-2-Rollup-Scaling-Lösungen hat die Gesamtnutzung des Netzwerks zwar verbessert, aber die Nachfrage nach der native Ethereum-Blockchain selbst nicht wesentlich gesteigert.
Technisch gesehen gibt es positive Erwartungen. Ethereum-Mitbegründer Vitalik Buterin kündigte am Samstag an, dass die Account-Abstract-Funktion (Smart Accounts, seit über zehn Jahren in Entwicklung) voraussichtlich „innerhalb eines Jahres“ offiziell eingeführt wird, was Wallets gegen Quantenangriffe schützen wird. Die kommende Hegota-Fork bringt ebenfalls mehrere Verbesserungen, darunter die Möglichkeit, mit nicht-Ethereum-Token über dezentrale Börsen Gas-Gebühren zu bezahlen und die Einführung eines „Universal Public Memory Pool“ auf Privacy-Plattformen.
Es ist bemerkenswert, dass Ethereum im DeFi-Bereich weiterhin eine bedeutende Wettbewerbsposition innehat – der derzeit in Ethereum DeFi eingesetzte Gesamtwert (TVL) liegt bei etwa 560 Milliarden USD, und kein Konkurrent kann diese Größenordnung bisher herausfordern.
Eine negative Funding-Rate ist ein Signal für verstärkte Bärenstimmung, bedeutet aber nicht, dass die Bären den Markt vollständig dominieren. Der Optionsmarkt bleibt im neutralen Bereich, der TVL ist stabil, was darauf hindeutet, dass die fundamentale Unterstützung für Ethereum nicht zusammengebrochen ist. Eine genauere Interpretation lautet: Das Vertrauen der Bullen ist schwach, die Bären haben leicht die Oberhand, aber beide Seiten fehlen starke treibende Kräfte.
Die positiven Effekte der ETF-Zulassung werden durch zwei Faktoren ausgeglichen: Erstens fiel der Zeitpunkt mit einem allgemeinen Rückgang des Kryptomarktes zusammen, was die Risikobereitschaft der Institutionen insgesamt drückte; zweitens ist die native Staking-Rendite von 2,8 % niedriger als die 3,75 % bei einigen Stablecoin-Produkten, was die Bereitschaft der Institutionen, in Ethereum zu investieren, verringert.
Basierend auf aktuellen Derivaten und On-Chain-Indikatoren sind folgende Voraussetzungen notwendig: Die Funding-Rate muss in den positiven neutralen Bereich (6-12 %) zurückkehren, es muss anhaltende Kapitalzuflüsse in Ethereum-ETFs geben, und die Einnahmen aus Transaktionsgebühren auf der Base Layer sollten steigen, um eine tatsächliche Verbesserung der On-Chain-Aktivität anzuzeigen. Die technische Roadmap, wie die Account-Abstract-Funktion und die Hegota-Fork, könnte mittelfristig die Nachfrage steigern, kurzfristig sind die Effekte jedoch begrenzt.