Podcast: The Round Trip
Übersetzt & Redigiert: Yuliya, PANews
Persönlich miterlebt den GameStop-Short Squeeze, als Robinhood die Trader durch das „Abziehen der Internetleitung“ abrupt beendete – dieser Moment des Zusammenbruchs des traditionellen Finanzsystems hat direkt die weltweit schnellste öffentliche Blockchain – Sei – hervorgebracht, die den Nasdaq ersetzen soll.
Im neuen Series-Format „Founder’s Talk“ von PANews und Web3.com Ventures erklärt Sei-Gründer Jay Jog nicht nur die technische Umsetzung des parallelen EVM, das eine 50-fache Leistungssteigerung ermöglicht, sondern enthüllt auch exklusiv die Geheimnisse hinter den institutionellen Mitteln mit Billionen TVL und den neuen AI-Agent-Zahlungskanälen, um dir eine Vision des „dezentralisierten Wall Streets“ zu geben.

PANews: Willkommen, Jay, bei „Round Trip“! Wie fühlst du dich in Hongkong? Lass uns zunächst über deine persönliche Reise sprechen: Wie bist du Schritt für Schritt bis hierher gekommen? Und an welchen Projekten arbeitest du aktuell?
Jay Jog: Danke für die Einladung! Das ist mein erster Besuch in Hongkong seit 2018, und die Stadt ist genauso beeindruckend wie in meiner Erinnerung, sogar noch besser.
Zu meinem Hintergrund: Ich habe an der Universität Informatik studiert und nach dem Abschluss bei Robinhood, einer US-Broker-Plattform, angefangen. Bekannt wurde Robinhood durch den GameStop-Short Squeeze. Viele Privatanleger, getrieben von echtem Optimismus oder durch Meme-ähnliche Kursbewegungen, kauften Aktien wie GameStop, AMC und andere Meme Stocks, was die Kurse in die Höhe schießen ließ. Die Hedgefonds an der Wall Street, die auf fallende Kurse setzten, versuchten dagegen zu shorten, indem sie Aktien leihten und verkauften, um sie später günstiger zurückzukaufen. Als die Kurse stark stiegen, verloren die Short-Seller viel Geld und mussten ihre Positionen glattstellen, was zu einem massiven Short Squeeze führte und die Kurse weiter anheizte. Im Jahr 2021 haben fast alle Privatanleger dabei große Gewinne gemacht.
Doch dann geschah etwas Unerwartetes: Robinhood schloss plötzlich die Kaufoptionen für die steigenden Aktien, was die Kursentwicklung praktisch stoppte. Das schockierte ganz Amerika, denn es schien, als hätte das „kleine Volk“ die Wall Street besiegt – doch dann wurde der Kauf wieder blockiert. Als Insider fühlte ich mich schrecklich. Freunde fragten mich: „Warum kann ich jetzt nicht mehr handeln?“ oder „Warum verliere ich Geld?“ – aber ich hatte keine Kontrolle, konnte nichts tun.
Das machte mir klar, wie sehr das Finanzsystem versagt. Der Kern liegt im T+2-Abwicklungssystem: Robinhood musste bei der Clearingstelle 3 Milliarden US-Dollar als Sicherheit hinterlegen, um weiter handeln zu können – doch das Geld war nicht vorhanden. Das war der erste Impuls: Das traditionelle Finanzsystem ist strukturell fehlerhaft. Wenn wir ein wirklich „internet-native“ Finanzsystem bauen wollen, brauchen wir eine „Internet-native“ Infrastruktur. Deshalb glaube ich, dass Blockchain das ideale Fundament dafür ist – das war auch die ursprüngliche Motivation bei der Gründung von Sei.
PANews: Nach diesem Antrieb, wie habt ihr mit dem Aufbau von Sei begonnen?
Jay Jog: Wir starteten 2021 mit der Entwicklung und veröffentlichten zunächst Sei V1 basierend auf Cosmos. Im August 2023 ging die erste Mainnet-Version live. Cosmos hat eine große Entwickler-Community, aber wir stellten fest, dass man auch EVM-kompatible Smart Contracts unterstützen muss (meist in Solidity geschrieben und in EVM-Bytecode kompiliert). Ohne EVM-Unterstützung ist es schwer, eine lebendige Entwickler-Community aufzubauen.
Deshalb haben wir uns entschieden, EVM zu unterstützen, und gleichzeitig die Grenzen der EVM zu erforschen. Ein großes Problem ist die begrenzte Transaktionsrate: Ethereum und seine Rollups schaffen nur etwa 50 TPS. Für eine Börse wie Nasdaq, die Orderbuch-basiert ist, braucht man ca. 20.000 TPS. Das schafft eine Kluft zwischen On-Chain und der realen Welt. Wir sahen darin eine Chance, diese Performance zu erreichen und gleichzeitig dezentral zu bleiben – das war die Motivation für die Entwicklung der parallelen EVM.
PANews: Die parallele EVM ging im Juli 2024 live und löste eine große Welle aus. Ihr wart die ersten, die diese Geschichte anführten, richtig?
Jay Jog: Ja, wir waren das erste Team, das dieses Konzept präsentierte und es auch im Mainnet umgesetzt hat. Das hat viele Anwendungen inspiriert, die zunächst nur auf unserer Chain liefen, aber dann stark wuchsen. Bisher wurden auf der Mainnet über 5 Milliarden Transaktionen durchgeführt, etwa 100 Millionen Wallets haben aktiv gehandelt, täglich sind über eine Million Nutzer aktiv.
Diese Aktivität hat das Ökosystem weiter befeuert, mit einem TVL von rund 18 Milliarden US-Dollar – eine beeindruckende Zahl.
PANews: Diese Zahlen ziehen natürlich institutionelle Investoren an. Was ist ihnen bei der Auswahl zwischen Blockchains am wichtigsten? Traffic, Marken oder die Technologie?
Jay Jog: In den letzten Jahren haben fünf große Fonds (BlackRock, Brevan Howard, Hamilton Lane, Apollo, Laser) Produkte auf unserer Chain lanciert. Vor kurzem hat Ondo USDY auf Sei eingeführt. Wir sehen, dass immer mehr Institutionen aktiv werden.
Ehrlich gesagt, interessiert sie die zugrunde liegende Technologie weniger. Sie schauen vor allem auf die Nutzerbasis und die Verteilungswege. Das ist auch der Grund, warum Ökosysteme wie Ethereum oder Solana so attraktiv sind: Sie haben die meisten Nutzer und eine ausgereifte Verteilungsinfrastruktur.
Aus einer Makroperspektive: Die Leistung einer Blockchain ist vor allem für Entwickler relevant. Wenn du hohe TPS bieten kannst, öffnest du neue Gestaltungsmöglichkeiten für innovative Anwendungen. Wenn du Killer-Apps entwickelst, die andere Ökosysteme nicht bieten können, ziehst du mehr Nutzer und Investoren an. Im Krypto-Bereich entstehen „Hype“-Momente meist durch neue Einkommensquellen oder spannende Anwendungsfälle. Wenn eines von beidem stimmt, steigen die Nutzer auf die Chain – das ist der Schlüssel für den „Flywheel“-Effekt.
PANews: Lass uns noch tiefer auf deine persönliche Reise eingehen. Den Wechsel vom sicheren, gut bezahlten Job bei Robinhood in die Krypto-Startups – gab es Momente, in denen du dachtest: „Das ist nicht das Richtige für mich“? Teile gern die härtesten Zeiten, die dich stärker gemacht haben.
Jay Jog: Wir sind von Anfang an gegen den Strom geschwommen. 2021 starteten wir, aber die erste Finanzierungsrunde fiel fast genau in die Zeit nach dem Terra-Crash. Terra hatte innerhalb einer Woche fast 50 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung verloren. Drei Wochen später versuchten wir, als neues Team, Geld zu beschaffen. Die meisten VCs waren damals noch vorsichtig.
Das war unsere erste echte Erfahrung im Fundraising im Krypto-Bereich. Wenn man in einem Bärenmarkt startet, besonders nach so einem „Endzeit“-Crash, wird man sehr sparsam, pragmatisch und schätzt die Ressourcen. Das macht unabhängig und fokussiert. Im Bullenmarkt gibt es viele Ablenkungen, im Bärenmarkt kann man sich auf eine Sache konzentrieren und sie perfektionieren.
Insgesamt bin ich sehr dankbar für diese Reise. Das Projekt ist viel erfolgreicher geworden, als ich ursprünglich dachte. Natürlich gab es auch Tiefphasen: Wenn der Markt schwächelt, sinkt die Stimmung, das Vertrauen schwindet. Als wir dieses Podcast aufnahmen, sind in den letzten zwei Wochen viele bekannte Persönlichkeiten ausgestiegen, der Bitcoin-Preis fiel zeitweise auf knapp 59.000 USD.
PANews: In den letzten Wochen haben viele alte Hasen ihre Positionen verkauft, manche bezweifeln, ob Krypto skalierbar ist, oder ob alles nur Schein ist. Warum bist du trotzdem zu 100 % optimistisch für die Zukunft?
Jay Jog: Krypto ist eine extrem widerstandsfähige Branche. Es ist spannend: Einerseits machen wir große Fortschritte, z.B. arbeitet die US-Regierung an Gesetzen für Stablecoins und klare Regulierungen; Institutionen bringen große Mengen an Stablecoins und Fonds auf die Chain. Andererseits fällt der Bitcoin-Preis.
Doch für mich ist klar: Solange echtes Wachstum und echte Adoption vorhanden sind, werden kurzfristige Schwankungen im Bärenmarkt langfristig ausgeglichen. Wenn du an dein Projekt glaubst, ist der Bärenmarkt oft die beste Gelegenheit zum Einstieg. Für Entwickler ist es die Chance, echte, marktreife Anwendungen zu bauen. Für Investoren ist es die Gelegenheit, mit hoher Überzeugung in Top-Assets wie Bitcoin zu investieren, die momentan günstig sind. Ich bin weiterhin sehr optimistisch für die Zukunft der Krypto-Branche.
PANews: Was braucht es noch, um die nächste Bullenphase vorzubereiten? Welche Rolle spielt Sei dabei?
Jay Jog: Unser Ziel ist es, eine „dezentralisierte Wall Street“ zu bauen. Für uns ist die Bärenzeit eine Chance, mehrere Schlüsselbereiche zu entwickeln:
PANews: Als Privatanleger interessiert mich: Welche einzigartigen Features bietet Sei im Vergleich zu Solana oder anderen Chains, die ebenfalls auf hohe Performance setzen?
Jay Jog: Ein entscheidender Punkt ist: Sobald Sei Giga live ist, können alle Anwendungen mit zentralen Limit-Orderbüchern (CLOB) nur noch auf Sei laufen. Für eine Nasdaq-ähnliche Plattform braucht man ca. 20.000 TPS – das ist auf anderen Chains kaum möglich. Nasdaq macht nur etwa 10 % des weltweiten Börsenvolumens aus, aber wenn wir das auf die Blockchain bringen, öffnet das enorme Möglichkeiten. Besonders im Finanz- und Trading-Bereich wird Sei eine Schlüsselrolle spielen.
PANews: Du hast sicher schon mehrere Bullen- und Bärenzyklen erlebt. Ich persönlich glaube an einen Superzyklus, aber die Stimmung ist momentan sehr schlecht. Wie würdest du normalen Investoren raten, den Bärenmarkt zu überstehen?
Jay Jog: Das ist eine interessante Frage. Ich bin 2017 in Krypto eingestiegen, erlebte den Hype Ende 2017, dann den Abkühlung 2018 und vor allem 2019. Ironischerweise habe ich damals mein Bitcoin bei einem Poker-Portal verspielt – also lieber nicht nachmachen! Danach kam 2020 und der FTX-Crash 2022.
Mein wichtigster Rat: Du musst eine klare Überzeugung haben, warum du in Krypto investierst. Viele sind nur aus Neugier oder wegen des Hypes dabei. Du solltest eine Kernlogik entwickeln, warum du an Krypto glaubst. Wenn du das hast, kannst du auch in schwierigen Zeiten ruhig bleiben. Ohne Überzeugung ist es schwer, durch den Bären zu kommen. Wenn du nur denkst, Krypto ist spannend, wirst du wahrscheinlich scheitern. Deshalb empfehle ich, tief nachzudenken, warum du wirklich an Krypto glaubst.
PANews: Welche Missverständnisse gibt es 2026 noch über Sei? Was würdest du korrigieren?
Jay Jog: Das größte Missverständnis ist: Man glaubt, wir konzentrieren uns nur auf Technik und Performance-Optimierung.
Natürlich verbessern wir die Technik kontinuierlich. Aber wir wissen auch: Der Wert der Technik ist begrenzt. Nach einer gewissen Phase entscheiden echte Nutzerzahlen, Anziehungskraft und Killer-Apps, wer gewinnt – nicht TPS oder Confirm-Zeiten. Deshalb setzen wir auf Inkubation, um die Ökosystemstärke zu steigern.
PANews: Zum Schluss: Was würdest du asiatischen Entwicklern raten? Worauf sollten sie bei der App-Entwicklung achten?
Jay Jog: Zwei Trends sehe ich: