Im Internet kursiert das Gerücht, dass taiwanesische Fans im Tokyo Dome Müll geworfen haben sollen. Es handelt sich jedoch um ein von KI generiertes Fake-Bild. Taiwanesische Medien zeigen im KI-Zeitalter eine noch stärkere Tendenz zur unzureichenden Überprüfung von Informationen. Bereits bei der Berichterstattung über den Kletterer Hornerd, einen bekannten Fotografen, wurde ein Fehler gemacht, was die Notwendigkeit unterstreicht, die Medienkompetenz der Öffentlichkeit im KI-Zeitalter zu verbessern und die Fähigkeit zur aktiven Überprüfung von Informationen zu stärken.
Während der Vorbereitungen für die Weltmeisterschaft im Baseball 2026 wurde ein Bild, das Taiwaner im Tokyo Dome nach dem Spiel mit Müll zeigt, weit verbreitet.
Laut dem taiwanesischen Faktenprüfzentrum stammt das ursprüngliche Bild aus einem Facebook-Post des Online-Mediums „LIFE Leisure Fun News“. Das Originalbild ist deutlich mit „KI-generiert“ gekennzeichnet, wurde jedoch im Verlauf der Verbreitung absichtlich entfernt. Der früheste bekannte Ursprung der Entfernung des KI-Labels ist ein Beitrag des X-Accounts Xu Fangli vom 7. März.
Bildquelle: Der X-Account Xu Fangli hat das KI-generierte Markierungssymbol absichtlich entfernt und verbreitet das Bild von Taiwanern, die im Tokyo Dome Müll hinterlassen.
Dazu reiste ein Reporter des japanischen Sportmediums „The Answer“ persönlich zum dritten Basenbereich des Tokyo Dome, um die Situation vor Ort zu inspizieren. Dabei stellte er fest, dass das im Internet verbreitete Bild erheblich von der tatsächlichen Situation abweicht.
Der Reporter erklärt, dass die Sitzplätze im Tokyo Dome elastische Klappsitze sind, die automatisch hochspringen, wenn sie unbesetzt sind, was im Bild nicht zu sehen ist. Außerdem fehlt die gelbe Außenlinie im linken Außenfeld, die im Bild sichtbar ist, sowie die Anzeigetafeln, die den tatsächlichen Sponsornamen nicht entsprechen.
Aufgrund dieser Unstimmigkeiten urteilt „The Answer“, dass es sich bei dem Bild eindeutig um eine KI-generierte Fälschung handelt.
Das taiwanesische Faktenprüfzentrum präsentiert detailliertere Beweise für die Fälschung. Neben dem Vergleich der Sitzplatz- und Markierungsunterschiede wurde das Bild auch mit dem Google Gemini Tool überprüft, das bestätigt, dass es tatsächlich von Google KI generiert wurde.
Hauptbeweis ist, dass im Bild mehrere KI-Spuren sichtbar sind, z.B. sind die Spielstandanzeige und die Anzeigetafeln mit unleserlichem Code versehen, und das Wort „TEAM“ erscheint auf der rechten Seite ohne erkennbaren Zusammenhang. Auch die Bildschirmproportionen stimmen nicht mit der Realität überein.
Das Zentrum weist außerdem darauf hin, dass das absichtliche Entfernen des „KI-generiert“-Labels und die Veröffentlichung auf X-Platform vom Account „Xu Fangli“ stammen, der in Hongkong ansässig ist. Bereits 2022 wurde dieser Account vom chinesischen Untersuchungsausschuss wegen der Verbreitung mehrerer bedeutender Falschmeldungen überprüft und als ein von ausländischen Kräften, insbesondere China, genutztes Konto eingestuft.
Bildquelle: Der X-Account „Xu Fangli“ befindet sich in Hongkong und wurde bereits 2022 vom Untersuchungsausschuss wegen der Verbreitung mehrerer Falschmeldungen überprüft.
Am 6. März berichteten mehrere Medien, basierend auf einem Post eines Nutzers auf Threads, über Müll- und Toilettenverschmutzungen im Tokyo Dome durch taiwanesische Besucher. „LIFE Leisure Fun News“ griff diese Berichte auf, allerdings mit KI-generierten Bildern, die später gelöscht wurden. Dennoch verbreiteten sich die falschen Bilder in sozialen Netzwerken.
Neben der Verbreitung von KI-generierten Fake-Bildern in sozialen Medien kommt es auch häufig zu Fehlinformationen durch unzureichende Überprüfung durch taiwanesische Medien.
Beispielsweise Anfang des Jahres, als der bekannte Kletterer Alex Honnold beim Freiklettern am Taipei 101 fotografiert wurde, fragten einige Kreative nur, weil sie eine falsche Antwort des KI-Tools Gemini erhielten, ob der Fotograf Oscar-Preisträger Jimmy Chin sei.
Mehrere Mainstream-Medien wie „United Daily News“ und „Jusky Satellite“ zitierten diese falsche Behauptung in ihren Berichten, bis sie nach Kritik stillschweigend gelöscht wurde.
Mehrere Medien in Taiwan berichteten kürzlich auch über eine KI-Short-Drama-Serie „Huo Qu Bing“, die angeblich innerhalb kurzer Zeit 500 Millionen Aufrufe erzielt haben soll, mit einer Gesamtlänge von 23 Minuten.
Doch laut „Crypto City“ lässt sich diese 23-minütige Version des KI-Shorts „Huo Qu Bing“ im Internet nicht finden. Die auf großen sozialen Plattformen verbreiteten Versionen sind nur 4 Minuten und 23 Sekunden lang, mit insgesamt weniger als 20.000 Aufrufen. Die behaupteten 500 Millionen Aufrufe sind unbelegt, was Zweifel an der Echtheit dieser Zahl aufkommen lässt.
Laut einem Bericht des Taiwan Network Information Center (TWNIC) nutzen mehr als 40 % der Taiwaner generative KI-Tools, und die Nachrichtenaufnahme erfolgt zunehmend über soziale Medien. Die Mehrheit der Bevölkerung überprüft jedoch kaum aktiv die Richtigkeit der Informationen.
Im Vergleich dazu hat Finnland bereits Medienkompetenz und die Erkennung von KI-Falschmeldungen in das Bildungssystem integriert. In Taiwan fehlt es jedoch weitgehend an Medienkompetenz, was dazu führt, dass viele blind auf falsche oder einseitige Meinungen hereinfallen und sich von Fake-News beeinflussen lassen. Taiwan könnte sich an Finnland ein Beispiel nehmen, um die Fähigkeit der Bürger zur Einschätzung der Wahrheit von Informationen von klein auf zu fördern und so Fake News und Informationskriege besser abzuwehren.
Weiterführende Literatur:
Aufmerksamkeit auf Hualien: Fake-Bilder durch KI bei Katastrophen, Medienkompetenz im KI-Zeitalter wird immer wichtiger?
Profitieren die Krypto-Medien nur vom Geld? Über 60 % der Pressemitteilungen übertreiben, was die Qualität der Krypto-Berichterstattung betrifft