Das weltweite M2-Wachstum verlangsamt sich auf 0,13 %: Welche Signale stecken hinter den Abflüssen bei Bitcoin-ETFs?

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Aktualisiert: 20.05.2026 09:48

Stand 18. Mai 2026 beläuft sich die weltweite M2-Geldmenge auf rund 119,61 Billionen US-Dollar und verzeichnet damit einen moderaten Anstieg von lediglich 0,13 % gegenüber der Vorwoche. Bemerkenswerter ist jedoch, dass die siebenwöchige M2-Wachstumsrate auf -0,37 % gefallen ist – ein deutlicher Rückgang im Vergleich zur Vorwoche mit 1,26 %. Auch das Wachstum im Jahresvergleich hat sich verengt und ist von 7,70 % auf 7,03 % gesunken. Gleichzeitig verzeichneten die US-Spot-Bitcoin-ETFs am 18. Mai einen Netto-Abfluss von etwa 649 Millionen US-Dollar an nur einem Tag – einer der größten Tagesrückgaben seit Jahresbeginn 2026. Dieser Artikel bietet eine strukturierte Analyse der miteinander verflochtenen Trends von Liquiditätsverknappung und Kapitalabflüssen aus Krypto-Assets.

Was signalisiert das verlangsamte Wachstum der globalen M2-Geldmenge?

Die globale M2-Geldmenge ist ein zentraler Indikator für die gesamte Marktliquidität und umfasst Bargeld, Bankeinlagen und hochliquide Vermögenswerte. Aktuell hat sich die wöchentliche M2-Wachstumsrate auf 0,13 % verlangsamt, und die siebenwöchige Wachstumsrate ist erstmals seit Anfang 2026 negativ – das letzte derartige Signal gab es Ende März, als die siebenwöchige M2-Wachstumsrate erstmals unter null fiel. Diese Entwicklung deutet auf eine strukturelle Verlangsamung der Liquiditätsschöpfung in den wichtigsten Volkswirtschaften wie den USA, der Eurozone, China und Japan hin.

Betrachtet man längere Zyklen, so handelt es sich bei dieser Liquiditätsverknappung nicht um eine einmalige Anpassung. Im ersten Quartal 2026 wurde die siebenwöchige M2-Wachstumsrate erstmals negativ, erholte sich kurzzeitig, fiel aber bis Mitte Mai erneut unter null. Der Rückgang der jährlichen Wachstumsrate von 7,70 % auf 7,03 % zeigt, dass selbst auf Jahresbasis die Dynamik der Liquiditätsausweitung allmählich nachlässt. Für Risiko-Assets, die stark auf Kapitalzuflüsse angewiesen sind, stellt dieser Trend einen erheblichen makroökonomischen Gegenwind dar.

Was verraten Umfang und Tempo der ETF-Abflüsse?

Kapitalflüsse im US-Spot-Bitcoin-ETF-Markt bieten einen direkten Einblick in das Verhalten institutioneller Anleger. In der Handelswoche bis zum 15. Mai verzeichneten Bitcoin-ETFs einen Netto-Abfluss von rund 1 Milliarde US-Dollar und beendeten damit eine sechs Wochen andauernde Serie von Nettozuflüssen in Höhe von insgesamt 3,4 Milliarden US-Dollar. Nur einen Handelstag später, am 18. Mai, kam es zu einem weiteren großvolumigen Abzug von 648,64 Millionen US-Dollar. Strukturell gab es an diesem Tag bei keinem der 12 Bitcoin-ETFs Nettozuflüsse; allein bei BlackRocks Flaggschiff IBIT betrug der Tagesabfluss 448 Millionen US-Dollar.

Dieses Muster der Abflüsse ist kein Einzelfall. Auch Spot-Ethereum-ETFs verzeichneten im gleichen Zeitraum an sechs aufeinanderfolgenden Handelstagen Nettoabflüsse. Bemerkenswert sind zudem die institutionellen Portfolioanpassungen: Die 13F-Meldungen für das erste Quartal zeigen, dass einige führende Market Maker ihre Bitcoin-ETF-Bestände deutlich reduziert haben, während andere ihre Positionen ausbauten – was auf divergierende institutionelle Strategien in einem sich wandelnden makroökonomischen Umfeld hindeutet. Insgesamt signalisiert die Umkehr der ETF-Flüsse eine deutliche Veränderung der Risikobereitschaft institutioneller Anleger gegenüber Krypto-Assets.

Wie wirkt sich die Liquiditätsverknappung auf die Preise von Krypto-Assets aus?

Historisch betrachtet führen Veränderungen im M2-Wachstum die Kursentwicklung von Bitcoin um etwa zehn Wochen an. Als die siebenwöchige M2-Wachstumsrate Ende März erstmals negativ wurde, hatte der Markt die sich verschärfende Liquidität bereits signalisiert. Bis Mitte Mai spiegelten sowohl die Preise als auch die Kapitalflüsse dieses Übertragungsfenster wider. Nachdem die Marke von 82.000 US-Dollar – der 200-Tage-Durchschnitt – nicht gehalten werden konnte, fiel Bitcoin unter 77.000 US-Dollar und verzeichnete damit einen Rückgang von über 25 % gegenüber dem Jahreshoch.

On-Chain-Kennzahlen liefern weitere Erkenntnisse. Der MVRV Z-Score liegt aktuell bei 0,75, nach 0,91 in der Vorwoche, befindet sich aber weiterhin im neutralen Bereich von 0 bis 2, was darauf hindeutet, dass der Markt nicht überhitzt ist. Der Anteil langfristiger Halter ist auf 60,59 % gestiegen, was zeigt, dass die strukturelle Angebotsbindung anhält. Dies deutet darauf hin, dass der aktuelle Preisdruck in erster Linie auf den Rückzug von Neugeld infolge der Liquiditätsverknappung zurückzuführen ist – und weniger auf Panikverkäufe bestehender Halter. Die nachlassende Liquidität bremst marginale Kapitalzuflüsse – ein Trend, der sich auch in den ETF-Abflüssen widerspiegelt.

Wie beeinflussen Veränderungen in der Fed-Politik den Liquiditätsausblick?

Die Markterwartungen für Zinssenkungen der Fed in diesem Jahr haben sich deutlich abgekühlt. Die Verbraucherpreisinflation (CPI) für April lag mit 3,8 % im Jahresvergleich über den Erwartungen; steigende Ölpreise und eine zehnjährige US-Staatsanleiherendite von 4,54 % haben dazu geführt, dass die Terminmärkte Zinssenkungen für 2026 weitgehend ausschließen. Der neue Fed-Vorsitzende Waller hat zwar für eine gleichzeitige „Bilanzverkürzung und Zinssenkungen" plädiert, steht jedoch vor der doppelten Herausforderung von Inflationsdruck und internen Meinungsverschiedenheiten im FOMC.

Vor diesem Hintergrund ist kurzfristig nicht mit einer expansiven Zinspolitik zu rechnen, und die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Bilanzverkürzung hat zugenommen. Anhaltend hohe Zinsen werden die Bewertungen von Risiko-Assets weiter begrenzen. Für Bitcoin, das auf liquiditätsgetriebene Zuflüsse angewiesen ist, bedeutet ein restriktives makroökonomisches Umfeld, dass es für neues Kapital schwieriger wird, in den Markt zu gelangen – ein Effekt, der sich aktuell in den ETF-Abflüssen widerspiegelt.

Erfährt die Korrelation zwischen Bitcoin und globaler Liquidität einen strukturellen Wandel?

Historische Daten zeigen eine starke positive Korrelation zwischen Bitcoin-Kursen und der globalen M2-Geldmenge, doch seit 2025 haben sich beide entkoppelt. Das Bitcoin-Wachstum im Jahresvergleich ist negativ, während das globale M2-Wachstum weiterhin über 7 % liegt. Diese Divergenz spiegelt einen Wandel in der institutionellen Allokationslogik wider: Bitcoin wird zunehmend mit Software-Aktien als hochvolatiler Tech-Faktor gruppiert und weniger als reiner Liquiditäts-Proxy gehandelt – getrieben von Risikobereitschaft und Kapitalrotation.

Zudem beeinflussen Schwankungen des US-Dollars, die Institutionalisierung durch ETFs und geopolitische Faktoren die Übertragungsmechanismen zwischen Bitcoin und makroökonomischer Liquidität. Dennoch zeigen aktuelle Daten, dass eine Kombination aus verlangsamtem M2-Wachstum und ETF-Abflüssen weiterhin erhebliche Auswirkungen auf den Markt hat. Das Liquiditätsmodell ist nicht obsolet, sein Gewicht muss jedoch in einem komplexeren, multifaktoriellen Rahmen neu kalibriert werden.

Was sagen Stablecoin-Ökosystem und interne Krypto-Liquidität aus?

Neben der makroökonomischen M2-Geldmenge verfügt das Krypto-Ökosystem über eigene Liquiditätsindikatoren. Die gesamte Marktkapitalisierung von Stablecoins fungiert als „M2" der Kryptobranche – also als einsetzbare Bargeldreserven. Derzeit liegt die gesamte Stablecoin-Marktkapitalisierung bei etwa 307,9 Milliarden US-Dollar und ist in den vergangenen 30 Tagen um rund 1 % gesunken, was auf einen schrumpfenden investierbaren Kapitalpool im Kryptomarkt hindeutet.

Eine stagnierende oder leicht rückläufige Stablecoin-Marktkapitalisierung signalisiert geringere Neuzuflüsse und verschärft den Wettbewerb um bestehende Mittel. In diesem Umfeld werden die Asset-Preise stärker von echtem Kapitalzufluss abhängig und reagieren sensibler auf Nachrichten und Veränderungen im Leverage. Diese strukturelle Eigenheit deckt sich mit dem Trend der makroökonomischen M2-Verknappung und deutet auf einen Wendepunkt hin, an dem die Krypto-Marktliquidität von tendenziell locker zu tendenziell restriktiv wechselt.

Steht der Kryptomarkt vor einer kurzfristigen Korrektur oder einem tiefergehenden Trendwechsel?

Eine umfassende Analyse der aktuellen Daten legt nahe, dass der Kryptomarkt nicht nur einen einzelnen Schock, sondern eine kombinierte Resonanz aus makroökonomischer Liquiditätsverknappung und abgekühltem institutionellen Kapital erlebt. Ob dieser Trend anhält, hängt von mehreren Schlüsselfaktoren ab: dem tatsächlichen Kurs der Fed-Politik, den Auswirkungen geopolitischer Ereignisse auf die Inflationserwartungen und der Frage, ob ETF-Abflüsse so stark zunehmen, dass sie eine systemische Risikoaversion auslösen.

On-Chain-Kennzahlen und das Verhalten langfristiger Halter zeigen, dass der Markt bislang weder überhitzt noch in Panik geraten ist. Das bedeutet, dass die aktuelle Anpassung eher eine Bewertungsbereinigung nach dem Rückzug von Neugeld darstellt und kein vollständiger Bruch bestehender Strukturen ist. Sollte das M2-Wachstum jedoch weiter negativ bleiben oder weiter sinken und die ETF-Abflüsse anhalten, steht der Kryptomarkt vor einer noch stärkeren Bewährungsprobe seines liquiditätsgetriebenen Modells.

Fazit

Das globale M2-Wachstum hat sich auf 0,13 % verlangsamt, die siebenwöchige Rate ist ins Negative gedreht und US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten einen massiven Tagesabfluss von 649 Millionen US-Dollar. Das Zusammentreffen von nachlassender makroökonomischer Liquiditätsausweitung und restriktiveren Kapitalflüssen in Krypto-Assets erzeugt eine starke Rückkopplung. Das M2-Wachstum im Jahresvergleich ist von 7,70 % auf 7,03 % gesunken, Bitcoin hat sich über 25 % von seinem Jahreshoch entfernt und die institutionelle Risikobereitschaft hat spürbar nachgelassen. Der weitere Verlauf des Marktes wird maßgeblich von der Fed-Politik, geopolitischen Entwicklungen und der Dynamik der ETF-Abflüsse abhängen – Faktoren, die gemeinsam die Belastbarkeit von Krypto-Assets im aktuellen Liquiditätszyklus bestimmen werden.

FAQ

1. Welche direkte Auswirkung hat das verlangsamte globale M2-Wachstum auf den Kryptomarkt?

Ein langsameres Wachstum der globalen M2-Geldmenge bedeutet, dass sich die Ausweitung der gesamten Marktliquidität verlangsamt. Dadurch verringert sich der Spielraum für zusätzliche Kapitalzuflüsse in Risiko-Assets. Bitcoin und andere Krypto-Assets, die besonders empfindlich auf Liquiditätsveränderungen reagieren, stehen in Phasen der Liquiditätsverknappung häufig unter Bewertungsdruck und erleben Kapitalabflüsse.

2. Was sind die Hauptgründe für Abflüsse aus Bitcoin-ETFs?

Zu den wichtigsten Gründen zählen: ein langsameres makroökonomisches Liquiditätswachstum, das die Risikobereitschaft dämpft; Gewinnmitnahmen nach sechs Wochen kontinuierlicher Zuflüsse und beträchtlichen Buchgewinnen; Inflationsdaten über den Erwartungen und steigende Renditen von US-Staatsanleihen, die die Markterwartungen für Fed-Zinssenkungen reduziert haben; sowie Veränderungen in den Allokationsstrategien institutioneller Anleger.

3. Ist die historische Korrelation zwischen M2 und Bitcoin-Preisen weiterhin gültig?

Historisch bestand eine Vorlauf-Nachlauf-Beziehung von etwa zehn Wochen zwischen beiden Größen. Seit 2025 hat sich jedoch eine gewisse Entkopplung gezeigt. Hauptgrund ist die zunehmende Institutionalisierung von Bitcoin, die dessen Risikoprofil verändert hat – die Preisbildung wird nun stärker von Risikobereitschaft und Kapitalrotation beeinflusst, wenngleich Liquidität weiterhin ein zentraler Treiber bleibt.

4. Worin unterscheidet sich diese Runde der Liquiditätsverknappung von der Korrektur 2022?

Die Korrektur 2022 erfolgte zu Beginn der aggressiven Zinserhöhungsphase der Fed, wobei die Liquidität deutlich schneller schrumpfte. Die aktuelle Phase findet am Ende des Zinserhöhungszyklus statt, wobei der weitere politische Kurs sehr unsicher ist. Das Tempo der Verknappung ist milder, wird aber durch neue Variablen wie geopolitische Risiken und anhaltende Inflation erschwert – was die Unsicherheitsfaktoren am Markt komplexer und vielschichtiger macht.

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